Emilie Wagner

Emilie Wagner geb. Keck (1870 bis 1940)

Emilie Wagner, geb. Keck wurde im Alter von 70 Jahren in Grafeneck ermordet. Sie hat 47 Jahre in Backnang, Hall, Stuttgart und wieder in Backnang gelebt. Mit ihrem Mann, dem Schuhmacher Karl Wagner (1866 bis 1911) hatte sie vier Kinder, von denen drei das Kindheitsalter überlebten. Ihr Beruf wird mal mit Näherin, mal mit Haushälterin angegeben. Zuletzt wohnte sie im Haus Ölberg 9a.

Zwischen 1917 und 1920 war sie wegen "Manie"oder auch "zirkulärer Geistestörung" in Krankenhäusern wie dem Bürgerhospital in Stuttgart, dann in der Heilanstalt Winnental, wo sie ab dem 22.9.1920 blieb. Zwanzig Jahre lang war sie Patientin in Winnental. Bis sie am 24.6.1940 von den grauen Bussen der Gekrat abgeholt, nach Grafeneck verschleppt und dort am selben Tag vergast wurde. Das geht aus einem handschriftlichen Vermerk in ihrer Krankenakte hervor: dort heißt es: "Verlegt " am 24.6.1940, verschleiernde Worte für die Ermordung kranker Menschen in deutschen Töungsanstalten wie Grafeneck.

Aus den Krankenblättern ist keiner der üblichen Hinweise auf eine "Erbkrankheit" zu finden, wohl aber in einem von dem Direktor Dr.G. am 16.12. 1942 an einen Angehörigen verfassten Schreiben. Dort wird ausgeführt, dass sie an "depressivem Irresein mit schizophrenen Zügen"litt und am 24.6.1940 "gestorben" sei, ein Hinweis, dass er über die Morde in Grafeneck und das Vernichtungsprogramm Bescheid wußte.

 

Diese Aussicht auf die Schwäbische Alb konnte Emilie Wagner nicht genießen. Sie wurde wenige Meter vom Ort der Aufnahme entfernt in einer Gaskammer umgebracht.

 

 

 

 

Text: Bernd Hecktor 

Quellen im Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 900


letzte Adresse in Backnang: Ölberg 9a


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