Klara Emma Kübler

Klara Emma Kübler (1897 bis 1943)

Klara Emma Kübler wurde am 21. Januar 1897 in Backnang als Tochter des Müllerknechts Johann Kübler (1852 bis 1899) und dessen Ehefrau Karoline geb. Reber (1869 bis 1908) geboren.[1] Ihr Vater betrieb in der Gartenstraße 21 ein Spezereigeschäft (Lebensmittel- und Gemischtwarenladen).[2] Am 21. Juni 1899 wurde ein Konkursverfahren gegen Kübler eröffnet, dessen Ende er allerdings nicht mehr erlebte, da er am 2. November 1899 starb. Für seine fünf minderjährigen Kinder, darunter auch die knapp dreijährige Klara, wurde „Grünbaumwirt“ Eugen Mayer (1867 bis 1944) als Vormund eingesetzt.[3]

(Gartenstraße 21: Elternhaus von Klara Kübler (Foto: Bernd Hecktor))

Am 29. November 1908 folgte der nächste Schicksalsschlag, als ihre Mutter im Alter von 48 Jahren verstarb und die knapp zwölf Jahre alte Klara zur Waise wurde.[4] Zusammen mit ihren zwei minderjährigen Geschwistern blieb sie unter der Vormundschaft von Eugen Mayer, dessen Beruf nun mit Bureaudiener angegeben wurde.[5]

Der weitere Lebensweg von Klara Kübler ist völlig unklar. Möglicherweise lebte sie in der Familie ihres Vormundes Eugen Mayer oder bei ihrem 1885 geborenen Bruder Karl. Da sie weder in den Adressbüchern der Stadt Backnang noch in der Einwohnermeldekartei auftaucht, zog sie vermutlich spätestens nach Erreichen der Volljährigkeit aus Backnang weg. Quellen in der Gedenkstätte Hadamar zeigen, dass Klara Küblers letzter Wohnort Bielefeld in Westfalen war.[6] Von dort kam sie zu einem nicht bekannten Zeitpunkt in die Heil- und Pflegeanstalt Warstein.[7] Ende Juli/Anfang August 1941 wurde sie von dort in die Landesheilanstalt Eichberg in Erbach/Hessen (heute Eltville am Rhein) verlegt.[8]

Zusammen mit 60 weiteren Patienten aus Eichberg wurde Klara Kübler am 13. März 1943 in die Heil- und Pflegeanstalt Hadamar in Hessen verlegt. Dort waren im August 1942 die „Euthanasie“-Morde wieder aufgenommen worden. Im Gegensatz zum Jahr 1941 wurden die Patienten nun nicht mehr durch Gas umgebracht, sondern „durch überdosierte Medikamente, gezielte Mangelernährung und unterlassene medizinische Versorgung“.[9] Deshalb muss man auch annehmen, dass Klara Kübler am 27. Mai 1943 nicht – wie offiziell angegeben – infolge eines „epileptischen Anfalls“ gestorben ist. [10].

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text u. Recherche: Dr. Bernhard Trefz



[1] StAB Familienregister Backnang 5, S. 473 f.

[2] Adreß- und Auskunftsbuch Backnang, o. J. [1898], S. 37.

[3] StAB Bac I 001-438, Nr. 4252 und Alte Einwohnermeldekartei, Karte „Eugen Mayer“.

[4] StAB Sterberegister Nr. 235/1908.

[5] StAB Bac P 004-10, Nr. 166. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Mayer Leiter des Bezirksarbeitsamts. Adreßbuch Backnang und Umgebung 1920/21, S. 26 und 65.

[6] Mitteilung von Dr. Georg Lilienthal, Gedenkstätte Hadamar vom 22. August 2012.

[7] Die Heil- und Pflegeanstalt Warstein wurde 1905 als fünfte „Provinzial-Irrenanstalt“ in Westfalen eingerichtet. Heute ist dort die LWL-Klinik Warstein für Psychatrie, Psychotherapie und Psychsomatik untergebracht.

[8] Die Heil- und Pflegeanstalt Eichberg zur Behandlung von psychisch kranken Menschen wurde bereits 1849 eingerichtet. Zwischen 1941 und 1945 wurden 4000-5000 Menschen in der Anstalt Eichberg ermordet oder von dort aus in den Tod geschickt. Heute ist darin die Klinik für Psychatrie und Pychotherapie Eichberg untergebracht.

[9] Mitteilung von Dr. Georg Lilienthal, Gedenkstätte Hadamar vom 22. August 2012.

[10] Ebd.

 

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